07 November 2008

That's how the light gets in

Der vergangene Sonntag bot die Gelegenheit, einen außergewöhnlichen Abend in Gegenwart eines alten weisen und sehr spitzbübischen Gentlemans zu erleben. Die Rede ist von Leonard Cohen, und wer bisher geglaubt hatte, Johnny Cash hätte die tiefste Stimme unter den begnadeten Songwritern besessen, wurde an diesem Abend eines Tieferen belehrt. Ganz anders als der Man in Black, aber nicht weniger beeindruckend - und das auch noch live, dreieinhalb Stunden lang.
15 Jahre ist es her, dass er das letzte Mal auf Tour war ("I was sixty years old - a kid with a crazy dream") und man braucht eigentlich ein Poetik-Seminar im Anschluss, mit dem man gemeinsam über den Texten sinnieren kann. Sein Gesang dabei derart samtweich, dass man sich fragt, was an den ganzen kolportierten Alkoholeskapaden eigentlich dran sein kann. Und er zeigte sich als ein wirklich gelassener Gentleman, der als Erwiderung auf den Applaus des Publikums regelmäßig seinen Hut zog und ihn sich vors Herz hielt. Er betonte zu Beginn, es sei eine Ehre für ihn, für uns zu spielen, und bedankte sich am Ende beim Publikum, dass es seine Lieder über so viele Jahre lebendig gehalten hätte.
Ausführlich sprach er eigentlich nur selten zum Publikum, beim ersten Mal wies er darauf hin, dass wir "in a world of chaos and suffering" privilegiert seien, einen Abend wie diesen in Frieden miteinander genießen zu dürfen, was dem gesamten Abend gleich einen anderen Tonfall gab, und sang im Anschluss "Anthem" mit folgenden Refrainzeilen:
Ring the bells that still can ring
Forget Your perfect offering
There's a crack in everything
That's how the light gets in

Beim zweiten Mal betonte er, ohne weitere Kommentare, dass er sein Land liebe und sang danach "Democracy" mit der Refrainzeile "Democracy is coming to the U.S.A.". All dies am 2.November. Was jeglichen weiteren Kommentar seinerseits zu der bisherigen politischen Situation auch überflüssig machte und entsprechenden Zuspruch beim Publikum hervorrief.

Und im Zentrum der Zugaben stand eine fast schon zu schöne Version eines Gebets, das er zwar selbst sprach, das aber konsequenterweise dann von zwei seiner Backgroundsängerinnen gesungen wurde (und vor dem ich wiederum nur bis zum Boden meinen Hut ziehen kann):

If it be your will // That I speak no more
And my voice be still // As it was before
I will speak no more // I shall abide until
I am spoken for // If it be your will

If it be your will // If a voice be true
From this broken hill // I will sing to you
From this broken hill // All your praises they shall ring
If it be your will // To let me sing

If it be your will // If there is a choice
Let the rivers fill // Let the hills rejoice
Let your mercy spill // On all these burning hearts in hell
If it be your will // To make us well

And draw us near // Oh bind us tight
All your children here // In their rags of light
In our rags of light // All dressed to kill
And end this night // If it be your will
If it be your will.

06 November 2008

Ich entschuldige mich

Vielleicht trügen mich meine etymologischen Verwirrungen, aber es ruft bei mir nach wie vor Irritation hervor, wenn sich Leute entschuldigen. In aller Öffentlichkeit oder im Privaten. Oder wenn Leute dazu aufgefordert werden, sich zu entschuldigen. Nimmt man ohne die Hinzuziehung eines Lexikons einfach mal an, das Wort meint, was es sagt, dann kann man "sich" nicht "entschuldigen". Im ersten Absatz zum Wikipedia-Eintrag "Entschuldigung" heißt es deswegen auch gleich, dass diese Verwendung "früher" Unsinn gewesen sei, sich das heute aber so eingebürgert habe.
Darf ich das bitte nach wie vor schief finden? Die Einbürgerung hat meiner Ansicht nach eine Entwertung dieses Begriffs zur Folge. Wenn man jemanden darauf hinweist, dass er sich nicht selbst entschuldigen könne, sondern nur denjenigen, an dem er schuldig geworden sei, um Entschuldigung bitten, wird deutlich, wieviel schwerer das Ganze gleich wiegt. Klar, dass man so bedeutsam ungern redet. Und man sich -zack- eben schnell selbst entschuldigt. Dann kommt es auch auf den anderen gar nicht mehr an. Wenn man hingegen sagt: "Ich bitte Dich um Entschuldigung", dann liegt der eigentlich bedeutsame Akt, nämlich die Ent-Schuldigung, nicht in meinen Händen, sondern in denen meines Gegenübers.

05 Oktober 2007

Stichtag 14.11.2007

Was habe ich auf diesen Tag gewartet, dass es ihn geben werde... Lange habe ich auch gezittert, ob es überhaupt was wird, ob man sich traut, aber jetzt ist es raus:

Am 14.11.2007 wird Full Metal Village auf DVD erscheinen.

Mein persönlicher Film des Jahres und auch in meine ewige Top-Liste weit oben aufgenommen. Das wird ein Pflichtkauf und ich kann nur wärmstens dazu raten, es mir gleichzutun.

18 August 2007

Mein neues Lieblings-Joblog.

Bißchen den Schleier lüften. Sachen erklären, die sich keiner zu fragen traut. Interessante Hintergrundberichte. Skurrile Begebenheiten. Und das mit viel Humor:
"Die Mutter war ein Tannenbäumchen, wie wir es nennen, oben ganz schmal und unten ganz breit. Auf den ersten Blick denkt man, das könne mal leicht werden, schlägt man aber die Bettdecke zurück, sieht man, dass das eine Täuschung war."
(Dr. Fu Man Chu)
Zur Frage nach Zombies und anderen Untoten, die aus Särgen entfleuchen wollen:
"Notfalls schäumen wir die Kiste mit Montageschaum aus, das hilft immer.“
(Zombies)
Guckstu: Bestatter-Weblog

22 Juli 2007

Sinn?

„Was läßt sich über Opfer sagen? Ich kann nicht anders, als mindestens zehnmal am Tag über die Sinnlosigkeit des Lebens nachzugrübeln. Man kommt zur Welt, verbeugt sich und verschwindet wieder. In der Zwischenzeit hat man ein wenig Essen in sich hineingestopft. Es bleibt nicht viel von einem. Aber wer sich opfert, gibt seiner Existenz eine gewisse Bedeutung. Jedenfalls, wenn man einen Sinn darin sieht, etwas für andere zu tun, um einer Idee oder eines Glaubens willen. [...] Das Sterben fällt einem sicherlich leichter, wenn man für eine Sache stirbt, an die man glaubt.“
Lars von Trier
(in: Trier über von Trier. Gespräche mit Stig Björkman, Hamburg 2001, S. 228)

07 Juni 2007

lebendig, kräftig, scharf?

"Eine Kirche, in der der Zweifel als Bruder des Glaubens seinen Platz hat, hat es immer schwer. Aber wäre Gottes Wort "lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“ wenn sie die Irritation und das Ringen um den rechten Weg für abgeschafft erklärte? Sie würde als Hai losschwimmen - und als Hering enden."
(Matthias Drobinski in der Süddeutschen Zeitung)

02 Juni 2007

Feed Me! oder Käse ist mir nicht Wurst

Eine harte Aufgabe, an Probierangeboten an Einkaufstheken vorbeizugehen. Fast unmöglich. Und vorhin bin ich bei einem Stück Käse fast umgefallen vor Wonne. Ich dachte bisher immer, dieser Käse wär so teuer, weil man erstmal 4 EUR für den Markennamen mitbezahlt. Doch weit gefehlt. Bzw. wenn, dann ist es mir ab heute egal. Der "Old Amsterdam" ist jedenfalls nicht einfach irgendein alter Gouda. Sondern das Abgefahrenste, was käsemäßig seit langem wenn nicht überhaupt den Weg zu meinen Geschmacksrezeptoren gefunden hat. Unglaublich lecker. Gleichzeitig süß und würzig. Fast so wie eine richtig knochentrockene Mettwurst ;-) - Aber auch irgendwie nicht. Gleichzeitig hart und sahneweich, dass es einem auf den Zunge zergeht...
Und nun lese ich, dass es Kochrezepte mit diesem herrlichen Genuss gibt. Das kann doch nur ein Frevel sein. Allein, bei dem Haschisch-Toast kann ichs noch durchgehen lassen :-)

Einen grundsätzlichen Tipp, den mir eine Käseverkäuferin vor kurzem mit auf den Weg gab, möchte ich auch gerne weitergeben: Käse nicht direkt nach dem Rausholen aus der Kühlung essen, sondern ihn erst 20-30 Minuten auf Zimmertemperatur kommen lassen. Dann schmeckt das Ganze völlig anders. Viel mehr Aroma. Aber vielleicht wissen das auch alle außer mir. Dann frag ich mich nur, warums mir noch keiner erzählt hat.
Und letztlich: Wenn man sich an der Käsetheke so ein Käsepapier mitgeben lässt, wenn das Stück in Folie eingepackt ist, hälts länger.

Guten Appetit.

zum eben Lesen

So, jetzt bin ich zwar nicht gut darin, hier immer was hinzuschreiben, aber darauf wollt ich doch ganz gern hinweisen (grad entdeckt): Beim Brockhaus-Verlag gibts aus dem in zwei Wochen endlich erscheinenden von mir verantworteten Kompendium der fröhlichen Andersartigkeiten einen kleinen Auszug zum Lesen. Und das Inhaltsverzeichnis. Viel Spaß dabei!